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Foto: Elvira Faltermeier

„TRAINING DER MITTE“

 

Die meisten Menschen unserer Zivilisation haben den Schwerpunkt nicht im Zentrum, sondern zu weit oben, zu rechts, zu weit vorne und eher außen als innen.

Ein Körper ist stabiler, wenn der Schwerpunkt im Zentrum, in seiner Mitte ist. Auch die Psyche.

Bin ich in der Mitte stark, kann ich rechts und links, oben und unten, hinten und vorne, außen und innen besser austarieren.

Das Agieren aus der Mitte ist wie ein Muskel, den man trainieren kann. Körperstrukturen können ausbalanciert und die Kraft ins Zentrum verlagert werden:

 

Bewusstmachung der Einseitigkeit und lotgerechte Statik

Ein Kopf, der nicht auf der vertikalen Achse liegt, sondern zu weit vorne, und sei es nur eine Tendenz, muss von den Nackenmuskeln gehalten werden. Wenn wir schon so viele Muskeln für die Aufrechterhaltung der Statik brauchen, wird die Bewegung beschwerlich. Ungleichgewicht braucht Energie. Ein aufrechter Körper sollte um seine Längsachse zentriert werden (HEBELGESETZ) und Gewicht lotgerecht nach unten sinken dürfen.

Aktivierung beider Gehirnhälften     

                                                                                 

Es besteht eine zerebrale Unausgeglichenheit, die sich auf den Körper auswirkt und umgekehrt. Einseitige Handlungen haben Auswirkungen auf die Balance der Gehirnhälften. Der Balken zwischen den Gehirnhälften kann gestärkt werden, wenn beide Seiten (Augen, Ohren, Gliedmaßen…) gleichmäßig zum Einsatz kommen. Unter Stress sind wir eher einseitig, da die dominante Seite nicht mit der anderen „diskutieren“ will, und man dadurch schneller ist. Einseitigkeit auf Dauer trägt jedoch nicht zum Wohlbefinden bei und ist sogar Grund für Krankheiten. Der Körper strebt nach Gleichgewicht (PRINZIP DER HOMÖOSTASE).

 

Ausbalancierung von intellektuellen und emotionalen Zuständen

Ein Mensch mit einer manisch-depressiven Erkrankung taumelt von einem Extrem zum anderen. Sein Schwerpunkt verlagert sich in jedes Extrem. Ist der Schwerpunkt in der Mitte, im Zentrum, und der Balken zwischen den Gehirnhälften gestärkt, ist ein Mensch eher in der Lage die Höhen und Tiefen des Gefühlsleben, sowie die persönlichen Stärken und Schwächen gleichzeitig wahrzunehmen, sie zu relativieren, d.h. sich nicht mit den extremen Gefühlen zu identifizieren.

Konkretes Training für die zentrale Position des Schwerpunkts und die Zusammenarbeit der Gehirnhälften

  • Bauchmeditationen (Sich innen spüren)

  • Bauchmuskeltraining

  • Beckenbodentraining

  • Unterschiedliche Körperdisziplinen wie Pilates, Yoga, Ballett, Body-mind-centering, Tanzen etc.

  • Liegende Achterschleifen mit den Augen (Der Kopf bleibt stabil)

  • Achterschleifen  in allen Varianten (liegend, stehend…) mit der Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule

  • Spiel mit einem Musikinstrument und gleichzeitig singen (mit den Händen eine andere Melodie spielen als man mit der Stimme singt)

  • Mit den Füssen einen anderen Rhythmus stampfen als man klatscht (Rhythmik, generell, fördert die Kooperation von Körper und Geist, d.h. beide Gehirnhälften)

  • Überkreuzübungen (Kinesiologie): Gehen ist eine einfache Überkreuzübung, falls die Hüfte noch fähig ist dabei Achter zu machen: Manche Menschen plumpsen von einer Seite auf die andere, da sie keinen Schwerpunkt in der Mitte haben.

  • Während man sich bildlich intensiv eine Rose vorstellt, zählen

  • Mit den Augen einen Kreis ziehen und sich gleichzeitig den Kreis in die andere Richtung vorstellen

  • Zumba mit Afroelementen, ein Kurs von Karine Libecca, eine schwarze Frau aus Haiti, wo Choreographien im Rhythmus zu Musik, abwechselnd nach rechts und nach links getanzt werden (Das schweißt meine Gehirnhälften so wunderbar zusammen und bringt meinen Schwerpunkt dorthin, wo er hingehört: ins Becken)

  • Choreographien tanzen, bei denen auch das Gedächtnis mitspielen muss

  • Freihändig mit dem Fahrrad fahren

  • Abwechselnd mit dem rechten und linken Auge zwinkern

  • Ton für Ton höher singen und sich dabei vorstellen, eine Treppe immer tiefer hinunter zu gehen

  • Körperorientierte Psychotherapie

  • Leben mit allen menschlichen Sinnen: Tasten, Riechen, Schmecken, Hören…Durch übermäßige Konzentration auf den Sehsinn verschiebt sich der „funktionale Schwerpunkt des Menschen“, der sich normalerweise im unteren Bauch befindet.

  • Etc.

 

 

Im Sinne von Gerechtigkeit

Der Zustand unserer Welt hängt, meiner Meinung nach, mit einer Einseitigkeit zusammen, die die Gefahr einer Instabilität in sich birgt.  Ich möchte es noch einmal salopp formulieren: Wir sind zu weit rechts (Die intellektuelle Gehirnhälfte dominiert.), zu weit oben (Das Fundament wird vernachlässigt, bzw. verachtet.), zu weit vorne (Man beschäftigt sich nicht genug mit den Wurzeln.) und zu sehr im außen (Die Oberfläche zählt mehr als der Inhalt.)